In diesen Tagen haben es die Läufer beiden Geschlechts es nun wirklich nicht einfach, naja vielleicht nicht alle, vielleicht sind es auch nur wenige aber ich jedenfalls hab es als Schokoladen-Junkie im Moment wirklich ein grooooßes Problem. Selbst beim schreiben dieser Zeilen darf in diesen Tagen der Lebkuchen einfach nicht fehlen. Dazu kommt noch dass ich als „Normalarbeitender“ unter der Woche mein Training wie wohl die meisten von euch ohne Tageslicht mit meiner halbvollbatteriebeladenen Stirnfunzel absolvieren muss. Also alles Dinge die einem viel Motivation und Disziplin abverlangen. Meine Motivation ist zwar groß aber mit der Disziplin (vor allem was die Lebkuchen betrifft) ist es nicht weit her.

Lebkuchen stehen im Vordergrund
Um so erstaunlicher ist es, dass mir das Christkind bei meiner ersten Teilnahme an der Rheinzaberner Winterlaufserie am vorletzten Wochenende etwas verfrüht ein richtig tolles Geschenk in Form einer neuen 10 KM Bestzeit beschert hat. Natürlich kommt eine neue Bestzeit nicht von ungefähr aber zum Abschluss des ersten 4wöchigen Trainingsblocks, bei dem eher die Grundlagenausdauer und die Lebkuchen im Vordergrund standen, ist das doch eine bombastische Sache.

Nachdem wir 4 (Marcus „The Black Chicken“ , Edy „The Terrier“, Christoph und ich) vom Chicken Express am Sonntagmorgen bei strömendem Regen in ausgelassener Stimmung in Richtung Rheinzabern fuhren, dachte ich noch nicht im entferntesten an so ein Ergebnis. Vor Ort angekommen schlichen wir an der sensationellen Kuchentheke vorbei und nahmen unsere Startnummern von einigen netten Helferinnen entgegen. Schnurstracks streiften wir unser neues Chicken Express Running-Team-Laufshirt über, somit konnte jetzt eigentlich ja gar nix mehr schiefgehen.


Vor dem Start stand wie üblich noch der Gang zum Abort an. Das ging erstaunlich schnell wenn man bedenkt dass weit über 1.000 Athletinnen und Athlten vor Ort waren. Dann noch schnell eine Runde auf der Tartanbahn eingelaufen und ab ging es zum Start.
Unversehens standen wir im Niemandsland
Apropos Start…anständig wie wir sind hatten Marcus und ich uns einige Reihen hinter dem Seil, welches das Läufervolk von der Startlinie noch zurückhalten sollte, eingereiht. Dabei hatten wir aber nicht bedacht dass sich viele vor dem Start noch vor der Startaufstellung warmgelaufen hatten und sich dann kurz vor Startschuss wie selbstverständlich ganz vorne einreihen würden. Naja was willst du da machen…es kam also wie es kommen musste, unversehens standen wir im Niemandsland als der Startschuss knallte.
Ritt auf der Rasierklinge
Das starke Läuferfeld setzte sich jetzt eilends in Bewegung, doch wie immer waren auch heute wieder „langsamere“ Teilnehmer vorne eingereiht, die den klassischen (Ganz-) Schnellstart verhinderten. Die ersten paar Hundert Meter waren wirklich eine Herausforderung, man hatte kaum Platz. Ich hoffte auf entspannte Läufer hinter mir, denn auf einen Tritt in die Hacken war ich nicht scharf. Der Balanceakt zwischen Bürgersteig und Rinnsal zu laufen glich wirklich einem Ritt auf der Rasierklinge.

Andrang vor der Unterführung
Trotz aller Widrigkeiten ging alles gut und ich kam gut durch den Anfang des Rennens. Nach 3:53 Minuten war der 1. Kilometer dann auch geschafft und die Ellenbogen konnte so langsam aber sicher wieder angelegt werden 🙂 Marcus der die ersten 2-3 KM an meiner Seite bleiben wollte hatte ich in dem ganzen Gewimmel aus den Augen verloren. Auf dem 2 Kilometer versuchte ich nun endlich mein Tempo zu finden, denn 3:53 min/km waren für den aktuellen Traingszustand definitiv zu schnell. Wie immer war aber auch hier der Wunsch der Vater des Gedanken. KM 2 und Rumms 3:54 Minuten auf den Asphalt gedonnert. Der „Andrang“ vor der ungeliebten Unterführung zwang mich dann aber in ein machbares Renntempo. 3:58 min/km und der 3 Kilometer lag hinter mir.
Wenn´s läuft, lass laufen
Inzwischen war ich auf meinem 4. Kilometer, auf dem Weg Richtung Hatzenbühl. Die Pace von 3:58 min/km konnte ich gut halten und malte mir im Geheimen schon ein Zeit von um die 40 Minuten aus. Endlich – auf dem 5 KM wurde es dann auch ein wenig ruhiger auf der Strecke – Platz – Welch ein Luxus :-), Ergebnis = 3:57er Schnitt. Nach 19:40 Minuten lagen 5 Kilometer hinter mir und es sah gut für mich aus. Ich fühlte mich immer noch sehr gut aber die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass es beim Laufen am oberen „Limit“ ab KM 7 nicht mehr ganz so locker läuft. In diesem Moment hielt ich mich aber an die Worte von Peter Greif, „Wenn`s läuft, lass laufen!“
Mit Glück unter die ersten 200
Die nächsten beiden Kilometerabschnitte verliefen identischen wie der fünfte. Das Tempo von 3:57 min/km auf dem Rückweg nach Rheinzabern machte mir ausgesprochen viel Mut. Eigentlich schon
fast am Ziel angekommen machte die Strecke nun noch einen 1 Kilometer langen Abstecher nach Jockgrim. Der achte Kilometerabschnitt war zwar anstrengend aber Solide 3:58 Minuten hielten das Feuer am brennen. Jetzt kam der etwas fiese Teil. Auf der Strecke in Richtung Jockgrim kamen einem dann so pö a pö die ersten schnellen Läufer entgegen und das waren nicht wenige. Natürlich wusste ich aus der Ergebnisliste der vergangenen Jahre dass man mit einer 40er Zeit mit Glück unter die ersten 200 kommt aber da bekam man doch schön aufgezeigt wo man mit seiner Leistung eigentlich steht, wenn man sich subjektiv gesehen auch viel weiter vorne vermutet 🙂

Der Puls war fast am Anschlag
Die Kehrtwende kurz vor KM 9 machte dem Grauen dann eine Ende. Nun bot sich mir das gegensätzlich Bild. Ich sah die vielen angestrengten Läuferinnen und Läufer, die noch nach mir in Richtung Umkehrpunkt liefen. Das gab mir nochmals den letzten Schub, denn die 4:02 Minuten für den 9ten Kilometer tanzten etwas aus der Reihe. Wenn ich jetzt noch eine kleine Schippe drauflegen konnte war die Sub 40 perfekt, falls es in die Hose ging war es halt einfach ein gutes Tempotraining. Ich wollte jetzt aber ohne Zweifel mehr.

Einige Meter vor mir war eine Gruppe von 4-5 Leuten, da wollte ich hin um mich noch ein wenig ziehen zu lassen. Meine Muskeln brannten inzwischen schon ganz schön, der Puls war fast am Anschlag aber mein Kampfgeist war ungebrochen.
39:39 Minuten! BESTZEIT!
Gut 200 Meter vor dem Ziel hatte ich es dann geschafft, die Gruppe vor mir löste sich in Wohlgefallen auf. 3 konnten das Tempo nicht mehr halten und ich zog vorbei – Geil! Von weitem war jetzt auch schon den Sprecher am Zieleinlauf hören. Ein letztes Mal nahm ich alle Kraft zusammen, überholte mit einem Schlussspurt auf der Zielgeraden noch einen Läufer. „Wolfgang Neuweiler, vom Chicken Express“ ertönte es nach 39:39 Minuten aus dem Lautsprecher. BESTZEIT!


