Mal kurz auf die Bremse treten

Geschichten haben leider nicht immer ein Happy End, auch nicht die Laufgeschichten.  In den letzten Wochen zieren an den Sonntagnachmittagen immer wieder hunderte fröhliche und glückliche Läuferinnen und Läufer mit ihrem Lächeln im Gesicht die verschieden sozialen Plattformen. Diese Momentaufnahmen sind dann kommentiert mit „ich hab`s geschafft“, „juhuuu ich bin jetzt ein Marathoni“ oder „jawohl neue PB“. Es sind tolle Geschichten und man freut sich als Läufer einfach mit, doch dann gibt es eben auch die andere Seite. Läuferinnen und Läufer die es aus den unterschiedlichsten Gründen nicht geschafft haben und zu Ihnen gehöre momentan auch ich!

Nach meinem Zugspitz-Debakel im letzen Jahr, bei dem ich mein erstes DNF eingefahren hatte, hat es mich am letzten Sonntag in Sankt Wendel das 2. Mal erwischt. Nach 26 Kilometern in einer 4:35er Pace war der Ofen aus….kein Feuer mehr. Meine Oberschenkel waren saft- und kraftlos. Kein Dampf mehr im Kessel und die Spritzigkeit fehlte mir sowieso von Anfang an. Ob es richtig war ohne spezielle Vorbereitung unbedingt noch einen schnellen Marathon laufen zu wollen kann ich mich jetzt natürlich auch wieder fragen aber irgendwie wollte ich es im Frühjahr einfach nochmals wissen.

Ich war gespannt auf die neue Streckenführung und freute mich auf einen tolles Event in Sankt Wendel, zumal auch Kumpel Hannes mit an Bord war und ebenfalls noch einen im Frühjahr draufsetzen wollte. Gut gelaunt lief ich von Beginn an mit den beiden 3:15h Zugläufern los. Schon nach 3 – 4 KM war ich der einzige den die beiden im Schlepptau hatten. Mit kurzweil vergingen die ersten 10 Kilometer und fast schon überheblich quasselte ich sogar noch mit den beiden :-(…ich Depp). Das die Strecke in Sankt Wendel nun nicht gerade die einfachste ist, sagt einem schon die Ausschreibung. „Hart aber herzlich“ steht da geschrieben.

Nach dem langen, nicht enden wollenden, leicht bergauf führenden Wendelinus-Radweg kam endlich die Wende und es ging wieder leicht bergab. Ansich ein sehr schöner Streckenabschnitt aber wenn es nicht richtig läuft kann es noch so schön sein, man hat kein Auge mehr dafür.  Als es dann wieder „bergauf“ zum nächsten Wendepunkt bei KM 19 ging, haderte ich schon mit mir. Ich hatte viel Mühe dem 3:15h Zugläufer zu folgen. Doch mein Ziel war klar. Ich war gekommen um unter 3:15 Stunden zu laufen, eigentlich noch unter 3:10h aber es fühlte sich überhaupt nicht gut an. Es waren keine Magenschmerzen oder sonst was, ich hatte einfach keine Kraft in den Beinen.

Vor dem Start und nach dem Lauf hatten wir wie immer Spass aber zwischendrin war´s einfach nur Brei….

Als ich bei KM 21 an Claudi vorbei lief, die als moralische Unterstützung und Fotografin mit dabei war, schoss mir der Gedanke an einen Ausstieg wieder in den Kopf. Soll ich hier eine 3:21h oder so laufen und dann wieder ewig mit mir hadern oder lass ich es einfach und nehme es als richtig gutes Training? Ich pfiff mir noch ein Gel mit der Hoffnung rein ein wenig Auftrieb zu bekommen, doch leider war auch hier nur der Wunsch der Vater des Gedanken. Es half alles nichts.  Bei KM 24 war meine Entscheidung endgültig gefallen. Einfach noch bis zur großen Kreuzung wo mein Herzblatt auf mich wartete und dann stieg ich aus. Es fiel mir komischerweise am Ende dann überhaupt nicht mehr so schwer.

Ich hatte die Uhr abgedrückt, den Kopf wieder hoch genommen und blickte in die Menschenmenge. Was sah ich da…..???? Meine Claudi und den Hannes… der Gute hatte exakt das Selbe durchlebt wie ich und an der selben Stelle die gleiche Entscheidung getroffen…..komisch aber wir fielen uns lachend in die Arme :-). Nach der Dusche gab´s zur Belohnung ein kühles alkoholfreies Radler im Biergarten bevor wir wieder die Heimreise antraten.

Nach meinem verkorksten Freiburg Marathon, bei dem ich als Zugläufer für das Pacerteam im Einsatz war und wegen starken Magenproblemen nach der HM-Marke mehrmals das Dixiklo  aufsuchen musste und mit hängen und würgen noch eine 3:38h ins Ziel brachte, war das nun der zweite Rückschlag in diesem Jahr.

Eine Lehre ziehe ich daraus, ohne eine gescheite strukturierte Marathonvorbereitung werde ich nicht mehr bei einem Marathon antreten. Die Ultramarathons, die ich in den ersten Monaten schon gelaufen bin, haben richtig viel Spass gemacht und ich möchte sie auch nicht missen. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass ich wohl doch mehr Körner gelassen habe als ich dachte. Da werde ich nächstes Jahr anders rangehen.

Ich werde jetzt mal kurz auf die Bremse treten und dann freue ich mich aber  auf ein schönes Ultralaufjahr mit hoffentlich vielen schönen Momenten und auf die Bilder unter die ich ich dann hoffentlich auch wieder schreiben kann….“Juhuuuu…ich hab´s geschafft!“

 

4 Gedanken zu „Mal kurz auf die Bremse treten

  1. Wie ich Dich kenne, hast dennoch bis zum Schluss tapfer gekämpft 💪🏻 Ein Ausstieg oder Rückschlag ist immer blöd. Aber wir sind eben keine Maschinen. Erhol Dich gut und dann geht’s weiter mit neuen Heldentaten 😊

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    1. Dankeschön Marcus 🙂 Ja in Freiburg hab ich´s zu Ende gebracht in Sankt Wendel bewusst nicht. Viel Zeit zum nachdenken bleibt eh nicht…Badische Meile….Altstatlauf Ettlingen…HM Mannheim…heieieiei…soviel zum Thema bremsen.. 🙂

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  2. Schade, dass du ausgestiegen ist, wir haben alle mal körperliche oder mentale Schwächen, die aus meiner Erfahrung immer wieder zu überwinden sind, es sei denn, man ist wirklich ernsthaft verletzt. Die Gefahr besteht m.E. darin, dass es bei den nächsten Malen immer wieder sehr nahe liegt, aufs Neue auszusteigen…………und dann steigst du auch wieder aus. Natürlich ist eine gute Vorbereitung Voraussetzung, und wenn man sie nicht hat, sollte man es besser lassen.

    Wie auch immer – schade, dass du ausgestiegen bist !

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    1. Ich hoffe du hast nicht recht und beim nächsten mal bring ich es zu Ende 🙂 Es war auch nicht so als wäre ich nicht vorbereitet gewesen aber eben die spezielle Zielgerichtete Vorbereitung auf eine PB war es eben nicht von daher hätte ich es im Nachhinein doch lieber sein lassen sollen. Wieder um eine Erfahrung reicher 🙂

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