Fidelitas Nachtlauf – 80 KM durch den Nordschwarzwald

Der Fidelitas Nachtlauf in Karlsruhe feierte dieses Jahr sein 40jähriges Jubiläum und natürlich wollte ich mir dieses Ereignis nicht entgehen lassen. Bei meinem 3. Start über die 80 kilometerlange Strecke sollte es besser werden wie im letzten Jahr. Da hatte ich mich ganz böse verzockt und war die erste Etappe bei ca. 30 °C viel zu schnell angelaufen. Die spätere Siegerin bei den Damen Natascha Bischoff hatte mich nach 20 KM eingesammelt und bis KM 40 „mitgeschleppt“. Geläutert und demütig stand ich also nun erneut an der Startlinie Ultramarathon-Klassikers und wieder einmal prallte  die Sonne auf das Antliz der Läuferinnen und Läufer und hüllte die Körper in eine nicht jedermann gewollte wohlige Wärme. Mit Hannes meinem Freund und Laufkumpel vom Chicken Express Running-Team standen erstmals 2 Läufer aus unserer Laufgruppe am Start des Ultramarathons. Dass dieser  Tag für ihn noch eine riesige Überraschung bereithalten würde, hatte er beim Start noch nicht im Sinn. Eine weitere Premiere war, dass mein Spatzele Claudi mich dieses Jahr auf dem Rad begleitet hatte. Um die Verpflegung und die Motivation musste ich mir also keine Sorgen machen 🙂

Start des Fidelitas Nachtlauf auf dem Sportgelände des PSK

Pünktlich um 17:00h begann das Spektakel und die Herde setzte sich in Bewegung. Zunächst ging´s für uns ca. 9 Km durch den Karlsruher Oberwald. Ich nahm mir vor mich dieses Mal nicht zu einem zu schnellen Start verleiten zu lassen. So kam es mir ganz gelegen, dass ich gleich nach dem Start auf meine Laufbekanntschaften Oliver Rottweiler und Heiko von den memler.de stieß. Gemeinsam liefen wir fast die komplette erste Etappe bis nach Grötzingen, so verflog die Zeit wie im Nu oder in Zahl… 1:33 Stunden 😉 In Grötzingen befand sich die erste große Verpflegungsstelle und die Wechselstelle für die Staffelläufer. Da ich meine Verpflegungsstelle ja quasi mit dabei hatte, gab es nur einen kurzen Schluck Wasser für die Kehle und ein Becher über die Rübe und Zack….weiter ging`s.

Ein Schnappschuss von Nils, der mich mit Chicken-Shirt in Grötzingen für kurze Zeit auf dem Rad begleitete

Letztes Jahr hatte ich kurz nach der Verpflegungsstelle meinen oben beschriebenen Einbruch, doch dieses Mal ging´s mir gut. Mit Kraft in den Beinen und guter Laune führte uns der Weg hinauf auf Heuberg, bevor es dann wieder hinunter nach Jöhlingen ging. Claudi konnte dank des geliehenen Pedelec´s gut dranbleiben und wie der Wind erklommen wir beide im Duett den ersten Anstieg. An der VP bei KM 24 traf ich auf die beiden LSG´ler Natascha und Jasko. Ich entschloss mich kurzfristig einfach mit den beiden zu laufen. Es macht alles ein bissel einfacher wenn man zwei Bekannte und erfahrene Läufer/in um sich hat.

Natascha, Jasko und ich kurz vor der VP in Mutschelbach

Das erste große Ziel war natürlich Mutschelbach, wo wir dann gut die Hälfte der Strecke hinter uns haben würden. Geinsam mit den Beiden und meiner Claudi auf dem Rad lief´s wie geschmiert und nach 3:36h waren die 39 KM geschafft. An der Verpflegungsstelle trafen wir auf Peter von der LSG, der uns anfeuerte. Auch Kumpel Tobias, der mit seiner Staffel am Start war feuerte an und knipste ein Bildchen.

Die Hälfte ist geschafft. Die Verpflegungsstelle in Mutschelbach…Abklatschen mit Lauflegende Peter Beil

Noch nicht lange war es her, dass hier die Marathonis ihren Start hatten. Die beiden Chickens Anni und Chrisi nahmen dieses Jahr zum erstem Mal die Marathonstrecke unter die Füße und liefen mit einer tollen Zeit von 3:57 Stunden gemeinsam ins Ziel. Herzlichen Glückwunsch nochmal ihr beiden. Super gemacht!

Doch nun wieder zurück nach Mutschelbach…..Bei Kilometer 40 musste Jasko leider abreisen lassen um seine Kräfte zu schonen und den Lauf finishen zu können (Er hat´s geschafft :-)) Natascha und ich hatten aufgrund unseres ähnlichen Leistungsvermögens schon häufiger die Ehre gemeinsam zu laufen, so auch wieder an diesem Abend. Zu zweit bzw. zu dritt mit Claudi als Versorgungsfahrzeug 🙂 überliefen wir die Marathonmarke nach 3:56 Stunden und waren somit voll im Plan für eine Zielzeit um die 7:30h.

Die Strecke führte uns nun weiter nach Langensteinbach vorbei an der Rehaklinik und das ganze natürlich immer schön leicht bergauf.  So langsam hieß es ein bissel die Pobaken zusammen zu pfetzen, denn es waren noch ca. 6 – 7 Kilometer bis zur Verpflegungsstelle/Staffelwechesl nach Langenalb, wo sich auch gleichzeitig der höchste Punkt der Strecke befand. Komischerweise hatte ich auf diesem Abschnitt ein kleines Hoch und hätte davonlaufen. Dennoch blieben wir zusammen. Es hätte keinen Sinn gemacht jetzt wegzulaufen. Wie sich später herausstellte konnte ich Natascha noch sehr gut gebrauchen :-). Kurz vor halb 11 erreichten wir also die Verpflegungsgelle. Gleichzeitig brach die Nacht herein und wir setzten unsere Stirnlampen auf.  Ich freute mich nun darauf auf den nächsten paar Bergab-Kilometern endlich mal wieder ein wenig die Durschnittspace aufpolieren zu können. Allerdings waren wir kaum an der Marxzeller Mühle angekommen als mich das erste richtige Tief erwischte. Die Verpflegungsstelle die früher an dieser Stelle war und einem wieder den nötigen Schub für die letzten knapp 20 KM gab, gab es nicht mehr.

Es blieb also nichts anderes übrig als sich von KM zu KM zu hangeln. Claudi hatte ja eigentlich genügend Verpflegung dabei aber mein Magen fühlte sich nicht gut an und sogar das Red Bull, dass ich für solche Situationen mitgenommen hatte, konnte ich einfach nicht trinken. Das war der Zeitpunkt an dem ich froh war dass Natascha noch bei mir war. Wäre sie nicht gewesen, wäre ich zwischendurch wohl häufiger gegangen oder länger an den Verpflegungsstellen auf dem Graf-Rhena-Weg in Richtung Ettlingen stehen geblieben. Irgendwie hatte ich es dann aber auch geschafft. Ettlingen war erreicht und bei KM 73 schüttete ich mir 3 oder 4 Becher Cola in den Rachen und knabberte noch kurz ein paar Salzstangen. Dann war es soweit Natascha zündete nochmals den Turbo und lief davon. Sie wollte unbedingt unter 7:40h bleiben, was sie am Ende dann auch schaffte. Bei KM 75 erwischte mich das nächste Tief und gleichzeitig kündigte sich ein leichter Wadenkrampf an. Ich hielt kurz an um den Krampf ein wenig auszudehnen. Danach noch einen kräftigen Schluck vom Tailwind Nutrion dass mir die Kraft für die letzten 5 Kilometer geben sollte. Dank Claudi, die mich durch den Oberwald bis nach Rüppurr ins Stadion des PSK peitschte, gelang mir am Ende auch noch ein sehr passables Finish. Die erhoffte Bestzeit von unter 7:30 Stunden konnte ich leider nicht erreichen aber mit 7:41:26 Stunden den 13. Gesamtplatz war sehr glücklich. Allerdings muss ich nach meinem 3. Start bei diesem Lauf wieder einmal erkennen, dass Zeiten und Platzierungen am Ende für mich völlig Wurscht sind. Denn eine Ziellinie zu überqueren ist so viel mehr. Der Weg dahin bleibt einem sicherlich lange in Erinnerung aber Zielzeit und Platzierung bleibt allenfalls dem Sieger auf dem Treppchen in Erinnerung. Apropos Sieger….. Mein lieber Herr Gesangsverein…der liebe Hannes von unserem Chicken Express Running-Team wusste erst beim Einlauf ins Stadion durch den Sprecher, dass er der erste ist und den Jubiläumslauf dieses Ultramarathon Klassikers gewinnen wird. Dieser Teufelskerl gewann den 80 Km-Lauf mit 1100 Höhenmetern in sagenhaften 6 Stunden und 19 Minuten. Drei Minuten später fegte dann auch schon der Vorjahressieger Benedikt Riecker über die Ziellinie.

Einen dicken Schmatzer geht nochmals an mein Herzblättle Claudi die ganz Tapfer zum ersten Mal 80 KM auf dem Rad hinter sich gebracht hatte und mir gleichzeitig immer ein sicheres Gefühl gab. Ohne dich hätte ich das Ganze niemals so gut geschafft.  Tausendmal DANKE 🙂 Danke auch einmal mehr an Natascha, die mich mit Ihrer Erfahrung wiedermal ins Ziel gebracht hat.

Sodele…nächste Woche geht es schon zum Hornisgrinde Marathon nach Bühl, den ich als Vorbereitungslauf für den Chiemgauer100 laufen werde. Ein paar Zeilen gibt es dann natürlich auch dazu 🙂

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