Mein liebes Spatzele, heute vor 21 Jahren standen wir an der Startlinie unseres gemeinsamen Halbmarathons der Liebe. Die Vorbereitung für die vor uns liegende Strecke war gelinde gesagt ziemlich kurz oder besser gar nicht vorhanden. Ziemlich unerfahren liefen wir die ersten Meter viel zu schnell los und eh wir uns versahen, hatten wir die erste Verpflegungsstelle schon erreicht.
Keine 2 Wochen waren vergangen und wir führten schon einen gemeinsamen Haushalt. Durch die vorausgegangene Taperingphase strotzten wir zu Beginn des „Laufs“ vor Kraft und standen voll im Saft. Natürlich ließen wir keine Sekunde verstreichen und gingen voller „Lust und Tatendrang“ mehr oder weniger ungewollt frühzeitig in die Produktion einer Familie. Nach nur 200 Metern hatten wir geschafft wofür andere gerne mal 10 Kilometer brauchen. Unsere erste Tochter, Vanessa war gezeugt! …..Hoppla….was soll´s, wollten doch eh irgendwann Kinder haben, warum also warten.

Nachdem nun so langsam das erste Seitenstechen wieder nachließ, überraschten wir nach 300 Metern die Zuschauer an der Strecke mit einem tollen Fest. HOCHZEIT! Jaaaaa….Noch keinen Kilometer gelaufen und wir wohnten zusammen, unsere erste Tochter schmorte in deinem immer größer werdenden Bäuchlein und vor der Standesbeamtin hatten wir uns auch schon das JA-Wort gegeben 😊
Wir drosselten dann mal ein wenig das Tempo, nicht dass uns noch wie vielen anderen schon zuvor nach dem verflixten 7. Kilometer die Luft ausging. Wir wollten ja schließlich finishen. Es lief richtig gut für uns beide, die nächsten Kilometer zogen locker dahin. Doch dann bei Kilometer 4 dein Bauch wurde schon wieder dick. Phuuuu…was ein Glück, dieses Mal war`s ja geplant! Kurz vor KM 5 …kurze Gehpause! Unsere kleine Krawallwurzel Melissa kam mit viel Geschrei auf die Welt, schon damals deutete sich an wie turbulent es mit dem kleinen Tausendsassa werden wird.

Nach kurzer Erholung und einem Energie-Gel, liefen wir weiter und genossen das tolle Panorama bei diesem Lauf…das Ganze ja inwischen zu viert. Die weiteren gemeinsamen Laufkilometer verflogen gefühlt viel zu schnell. Dennoch war uns von Beginn an klar, wir laufen keinen langweiligen Stadt-Halbmarathon ohne Blick nach links und rechts, sondern wir nehmen einen Trailrun unter die Beine. Hoch, runter, mal steinig, mal fiese Wurzeln aber dann auch wieder unfassbar tolle Aussichten auf den Berggipfeln und flowige bergab Passagen auf denen man es richtig brettern lassen konnten. Eine irreführende Abzweigung hätte uns beinahe auf die falsche Strecke geschickt aber unser starker Zusammenhalt, unsere große Liebe zueinander, Weitsicht und Vertrauen in uns beide, hat uns auch den kniffligen Moment während des Laufs überstehen lassen.
Die richtige Entscheidung, denn getragen von den Emotionen, den unfassbaren Erlebnissen, dem risiegen Spass auf der Strecke den wir hatten und dem (wärend des Laufs gelernten) Verständnis wie man so eine Herausforderung gemeinsam als unschlagbares Team meistern kann, haben wir es tatsächlich bis auf die (Zwischen)-Zielgerade geschafft.

Mit tränen in den Augen und ganz viel Gänshaut laufen wir heute durch den Zielbogen unseres gemeinsamen Halbmarathons der Liebe. Auf unserer Garmin drücken wir aber nur „Lap“, denn unser Lauf geht morgen auf alle Fälle weiter…und zwar so lange wir können und uns unsere Beine tragen. Gemeinsam werden wir diesen UltraTrail mit all seinen schwierigen Streckenabschnitten und den phantasischen Landschaftspanoramen bewältigen…genießen und am Ende HAND IN HAND FINISHEN!

Ich liebe dich über alles mein Spatzele. Ohne dich wäre ich nicht der Mensch, der Eheman und der Vater geworden der ich heute bin. Du bist zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben getreten, hast es so unwahrscheinlich bereichert und vor allem liebst du mich einfach so wie ich bin.
