Die Geschichte vom Wadenkrampf – #Rodgau50

Der Wadenkrampf hat schon so manch tragisches Ereignis ausgelöst.  Flugzeugabsturz, Autounfälle oder Badeunfälle hat diese willkürliche Muskelkontraktion schon verursacht. Bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland hielten sogar 80 Millionen Deutsche den Atem an, als beim Capitano Michael Ballack vor dem 1. Spiel gegen Costa Rica die Wade zwickte. Bei grad`so vielen Menschen war das Interesse meines Dramas auf der Zielgeraden beim #Rodgau50 nicht geweckt…allenfalls eine Handvoll…naja vielleicht noch ein Dutzend Follower auf den sozialen Kanälen die mitgefiebert und mitgelitten haben… tragisch war´s aber allemal.

Alle guten Dinge sind drei dachte ich und nahm mir für dieses Jahr vor die 50 Kilometer in Rodgau unter 4 Stunden zu laufen. Meine Vorbereitung verlief ganz gut, hatte ich doch den Trainingstipp von Michael Irrgang (LG Ultralauf) beherzigt und 4 mal 25 KM im Wettkampftempo in mein Training integriert.

Guter Dinge fuhren wir zu fünft nach Rodgau. Chrisi, Hannes, Anni, Claudi und ich vertraten das Chicken Express Running-Team bei der 19. Austragung des Ultralaufs in Hessen. Für Chrisi war es die Premiere über 50 KM während Hannes seine überragende Form nutzen wollte um vielleicht sogar in die Top 10 zu laufen. Claudi und Anni sahen eine wunderbare Möglichkeit darin einen langen Trainingslauf zu machen.

Anni, Claudi, Chrisi, Hanni, mein Bart und ich vor dem Lauf 🙂

Natürlich schnappten wir uns nach der Startnummernabholung  noch schnell das tolle Laufshirt dass es dieses Jahr zu kaufen gab. Echt ein schönes Teil für 20 €. Einen schnellen Kaffee in der Halle und die Begrüßung der LG Ultralauf Laufkameraden ließ die Zeit noch zu bevor die Wettkampfklamotten übergeworfen wurden. Apropos Wettkampfklamotten….Ich Depp hab doch tatsächlich nach dem letzten Waschen meiner Lieblingsschuhe Brooks PureFlow 5 die Einlegesohlen vergessen reinzumachen. Nun stand ich da wie der Ochs vor dem Berg…Schuhe ohne Sohlen…neiiiiiin. Nun war guter Rat teuer und die Zeit knapp. Glücklicherweise hatte Rocketman Hannes die zündende Idee. Ich machte meine Einlegesohlen von meinen ausgelatschten Asics Gel Noosa Tri 10, die ich zur Hinfahrt an hatte raus und stopfte sie in meine Brooks. Nicht ganz ideal aber es ging….phhhuuuu gerettet! Was für ein kurzer Schock!

Dann war es auch schon Zeit um uns auf den weg in Richtung Startaufstellung zu machen, liegt ja nicht gerade um die Ecke. Beim Start angekommen trafen wir noch auf Ralf den ich noch überreden konnte mit mir das Rennen anzugehen, denn eigentlich wollte er es etwas langsamer angehen lassen. Noch ein bissel Motivation für meine Claudi, die  unbedingt 40-45 KM laufen wollte und an Chrisi der seine Ultralaufpremiere feierte und Hannes der mit einer Zeit von 3:30 Stunden liebäugelte. Um Anni musste man sich keine Sorgen machen, sie läuft ja hier und da mal ganz ungeplant einen Marathon 🙂

Kurz vor dem Startschuss traf in der Läuferschaar auf Dominic. Wir kennen uns schon seit einer Weile online und auch von verschiedenen Laufveranstaltungen. Der Dominic ist eigentlich auch einer von der ganz schnellen Sorte, hatte sich aber heute kurz dazu entschlossen sich mir anzuschließen und evtl. bis KM 40 mitzulaufen. Der Startschuss knallte und das Feld setzte sich in Bewegung.

Die erste Runde war wie zu erwarten schwierig zu laufen. Die Menge an Läuferinnen und Läufern ist für diese Strecke nicht nur nach meinem Gefühl an der Obergrenze. Nach einer Weile hatte sich das Feld etwas auseinander gezogen und man konnte freier laufen. Das Wetter war wie angekündigt. Es war neblig und ob die Sonne heute überhaupt noch zu Vorschein kommen sollte war mehr als fraglich. Durch den Regen der vergangen Tage war die Strecke im Wald sehr matschig und eine Rutschpartie für uns Läufer. Was soll´s wir mussten ja alle durch… also jammern gilt nicht.

Gemeinsam mit Dominic, Oliver (wir kennen uns von den Ultraläufen aus der Region rund um Karlsruhe), Ralf sowie 2 weiteren Läufern drehten wir die ersten Runden an der Gänsbrüh. Es lief gut und wir konnten recht konstante Rundenzeiten abliefern.

Insgesamt gesehen waren meine Rundenzeiten sowieso sehr gut….hüstel…hüstel 🙂 Eine Differenz der 5 KM Runden von gerade mal 43 Sekunden brachte mir in dieser Kategorie am Ende den 12 Gesamtplatz ein. Eigentlich war das Rennen also doch gut eingeteilt. Die Zeit verflog in unserer Gruppe wie im nu, wir quatschen über dies und das und ehe wir uns versahen überquerten wir die Start-/Ziellinie zum 7. Mal. Nach 35 Kilometern musste Ralf dann leider auch abreißen lassen. Ein maledierter Zeh machte ihm Probleme.

 

Meine Beine fühlten sich noch locker an und ich war guter Dinge dass es heute mit einer Zeit von unter 4 Stunden klappen würde. Schon seit längerer Zeit standen Überrundung an, mal wurden wir von den Cracks gecatcht (auch Hannes düste an uns vorbei) und mal waren wir diejenigen die den Blinker setzten mussten. Immer wieder waren Leute an der Strecke die uns zuriefen dass wir noch gut aussehen würde und das ganz toll wäre. Die Motivation tat gut denn nach nunmehr 40 Kilometern die wir zwischenzeitlich in der Tasche hatten wurden die Beine doch schon etwas schwerer. Auch Dominic der dann doch bis zum Ende an meiner Seite blieb bekam leichte Probleme mit seinem Knie. Die kurze Überlegung auszusteigen verschwand dann aber wieder jäh im Nebel, der uns bis zum bitteren Ende begleitete.

Nach 3:22 Stunden und ein paar zerquetschten überquerten wir die Marathonmarke. Das wird ne Punktlandung dachte ich noch und bemerkte auch schon einen leichten Schmerz in meiner linken Wade. Hoffentlich nicht…dachte ich noch, hatte ich mich doch gut an der Verpflegungsstelle versorgt und fleißig meine Salztabletten genommen. Bitte kein Krampf, nicht schon wieder. Bereits im letzten Jahr bremste mich ein Wadenkrampf auf der letzen Runde aus und ich musste mehrfach ausdehnen.  Doch noch war es nicht soweit. Ich versuchte locker zu bleiben während Dominic ordentlich das Tempo hielt. nach 45 Km bleiben uns noch knapp 24 Minuten Zeit um mein gestecktes Ziel zu erreichen.

Auf der letzten Runde schüttete ich mir an der VP-Stelle noch 2 Cola rein um am Ende auch ja nicht einzubrechen. Ein letztes Mal fasste ich mir ein Herz und lief trotz bereits schmerzender Wade so gut es ging. Jedoch spürte ich wie mich der bevorstehende Krampf immer wieder mahnte…bloß kein falscher Schritt…sonst ist der Ofen aus. Doch leider kam es wie es kommen musste. Gut 400 Meter vor dem Ziel schoss mir ein übler Krampf in die linke Wade, der mich zum stehenbleiben zwang. Ein kurzes Ausdehnen war unumgänglich. Ich lief weiter und konnte bereits die rote Digitalanzeige über der Ziellinie sehen und leider auch wie die Uhr tickte….3:59:59 Stunden….4:00:00 Stunden….usw. Wieder einmal wurde es nichts mit meinem Vorhaben die 4 Stunden zu knacken. Nach exakt 4:00:14 Stunden lief ich über die Ziellinie.

Mit einer Mischung aus Freude es geschafft zu haben und über einen neue Bestzeit über 50 KM, sowie der leichten Enttäuschung über die verplemperten 14 Sekunden stützte ich mir erstmal 5 oder 6 Malzbier in die Kehle 🙂 Wieder bei Kräften beglückwünschten wir noch nachkommende bekannte Läufer und hauten die üblichen After-Race-Sprüche raus 🙂 Ich denke der Wadenkrampf auf der Zielgeraden war zwar bitter aber die 14 Sekunden hätte ich ohne Probleme auch viel früher rausholen können. Doch das ist eben Ultralaufen…eine Mischung aus Spass, Läufergequatsche (so lange es die Luft noch zulässt) ambitionierten Zielen und dem niemals Wissen wie es am Ende ausgeht. Selbst wenn es mit der erhofften Zielzeit nicht geklappt hat ist man total Happy und freut sich ein Loch in den Bauch. Ultralaufen ist einfach geil!

Hannes, unser schnellstes Hühnchen im Stall ist mit Ansage nach 3:30 Stunden ins Ziel gekommen und hat als Gesamt 10. Platzierter eine überragende Leistung abgeliefert. Hut ab mein lieber Freund. Für unseren Genussläufer Chrisi, der sein Ultralauf-Debüt feierte, lief es in Rodgau ebenfalls sehr gut. 5:27 Stunden hat der Gute gebraucht, ein richtig tolles Ergebnis. Herzlichen Glückwunsch, jetzt bist du ein Ultraläufer 🙂 Die liebe Anni hat mal wieder souverän die 30 KM als Trainingslauf abgespult und sah wie üblich danach aus als wäre nix gewesen. Unglaublich diese Frau 🙂 Mein Herzblatt Claudi nutzte Ihr Startgeld voll aus und lief die kompletten 6 Stunden durch. Schön langsam und immer das Ziel vor Augen schaffte sie immerhin 40 Kilometer. Nach einer eher nicht so dollen Vorbereitung durch den Winter war das eine prima Leistung. In den nächsten Tagen wird sich sicherlich selbst noch ein paar Zeilen darüber schreiben. Zu lesen dann unter www.hintenistsamschoensten.wordpress.com

Die obligatorische Linsensuppe nach dem Lauf rundete diese tolle Laufgeschichte wunderbar ab. Rodgau…nächstes Jahr kommen wir wieder.

2 Gedanken zu „Die Geschichte vom Wadenkrampf – #Rodgau50

  1. Lieben Dank Christina 🙂 …wie ich mich kenne laufe ich nächstes Mal 4:00:01…hehehehe…Bin da Spezialist drin 🙂 Sehen wir uns in Rheinzabern?

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu dierennschnecke Antwort abbrechen